Charakteristisch für Hold’em mit sehr niedrigen Limits ist die Tatsache, dass es nicht viele Möglichkeiten für Poker Spieler gibt, aus ihren Draws das Maximum an Gewinn herauszuholen. Dies liegt einerseits darin, dass oft viele Mitspieler um den Pot kämpfen, andererseits sind die Implied Odds oft so groß, dass Gegner keine Angst vorm Spielen haben.
Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Spielweise mit Draws, d.h. ich spiele damit normalerweise im Flop sehr agressiv, was meiner Meinung nach mit Flush- oder Straight Draws zu einer verhältnismäßig höheren Win Rate führt (gestern im Turnier auf pokerzentrale habe ich dies auch mehrmals so gespielt). Natürlich gibt es auch Ausnahmen dieser Regel, aber hier mal ein paar Beispiele:
Vier Caller, ich im Button mit QhJh. Ich raise, die Blinds callen, alle anderen callen meinen Raise. D.h. es sind jetzt 7 Spieler dabei, die um 14 SB kämpfen. Flop kommt mit Th9s6d. Der Small Blind bettet, der Big Blind raised und 2 Spieler callen.
Hier muss normalerweise ein Three-Bet von mir erfolgen, was man sich auch ganz leicht ausrechnen kann. Ich habe 8 Outs, ein Backdoor Herz Draw und 2 anständige Overcards, was bedeutet, dass ich dieses Spiel in 40% aller Fälle gewinnen werde. Im Verhältnis zur Three-Bet also ein sehr gutes Risiko.
Gerade Draws basieren ja auf der Annahme, wie hoch die Chancen sind, mit diesem Blatt der Gewinner zu werden. Hätte ich bspw. im Vergleich zu meiner Ursprungs-Hand eine JcTs als Hole, wäre der Wert pre-flop natürlich viel höher, aber meine Chancen, mit OhJh auch wirklich zu gewinnen, sind weitaus größer. Deshalb spiele ich solche Draws meistens sehr agressiv, obwohl viele Spieler eine Aversion dagegen haben, ohne mindestens ein Pocket Pair Geld in den Pot zu werfen.
Ein zweites Beispiel: Ich starte mit QdTd im Big Blind. Ein spieler auf der Early Position raised, 3 Spieler cold-callen. Der SB called und ich calle. Tata: der Flop mit 9d8s4d. Mal angenommen, ich checke jetzt und alle checken bis auf die Late Position, die bettet.
Hier muss jetzt sofort ein Check-Raise von mir kommen, denn es geht nicht mehr darum den Pot größer zu machen, sondern ihn zu gewinnen. Ein Call von mir bietet den anderen Spielern einen Hoffnungsschimmer, den sie gerne nutzen, um im Spiel zu bleiben. D.h. eine Raise von mir in dieser Situation kann KT, KQ oder AQ etc. zum Folden bringen, was meine Gewinnaussichten enorm verbessert.
Zusammengefasst noch mal ein paar Fragen, die man sich beim Spiel von Draws im Microlimit-Bereich stellen sollte:
1. Wie groß ist der Pot derzeit
2. Wie wichtig ist es, meine Outs gegen ein Pocket-Pair zu schützen (situationsabhängig)
3. Kann jemand einen höheren Draw haben
4. Wie hoch sind die Chancen, eine Free Card im Turn zu bekommen (falls der Flop mislingt)
5. Bringe ich meine Gegner durch agressives Spiel dazu zu glaube, ich hätte eine starke Hand?
6. Wie hoch sind meine Chancen, dass Spiel zu gewinnen (also nicht die derzeitige Wahrscheinlichkeiten)
Geändert von pokerzentrale - 01 Sep 2006 um 12:11